Wirtschaftsakademie für Ausbildungen und Weiterbildungen IHK und Betriebswirtschaft
 

2.4. Nachfrage

Besteht ein Bedarf an bestimmten Dingen und kommt dazu die feste Absicht, diese zu erwerben, entsteht auf dem Markt eine Nachfrage nach eben diesen Dingen.

Das Bild zeigt den Weg vom Bedürfnis zur Nachfrage

Die Nachfrage ist also die Menge an Gütern und Leistungen, die von Verbrau-chern mit ihren Geldmitteln erworben werden sollen.

Wenn man über die Nachfrage spricht, muss man zwei Bereiche unterscheiden:

  • Individuelle Nachfrage
  • Gesamtnachfrage
Die individuelle Nachfrage bezieht sich auf das, was der einzelne Verbraucher erwerben will, um sein persönliches Umfeld abzudecken. Die Gesamtnachfrage fasst den geforderten Bedarf aller am Markt vorhandenen Verbraucher zusam-men. Wegen der Vielseitigkeit und unterschiedlichen Bedeutung unterscheidet man dabei die Nachfrage auf den einzelnen Märkten wie z. B. Konsumgüter-, Investitionsgüter-, Arbeits-, Immobilien-, Kapital- und Geldmarkt.

Weil ein fester Zusammenhang zwischen Kaufkraft, Kaufabsicht und Nachfrage besteht, ist die Nachfrage nach Gütern und Leistungen abhängig vom Preis der Güter. Wenn der Preis eines Gutes so hoch ist, dass die Kaufkraft nicht ausreicht, um es zu erwerben, wird keine Kaufabsicht aufkommen und somit auch keine Nachfrage entstehen.

Es gibt verschiedene Modelle, wie sich Preis und nachgefragte Menge gegenseitig beeinflussen. Allen gemeinsam ist aber die Ausgangsannahme, dass bei Betrachtung eines bestimmten Gutes die Nachfrage umso niedriger ausfällt, je höher der Preis ist.

 

Das Bild zeigt die Abhängigkeit der nachgefragten Menge vom Preis

In der Praxis verläuft die Abhängigkeit allerdings nicht so ideal, wie sie vereinfacht mit der degressiv linearen Kurve in dem Diagramm wiedergegeben ist. Steigt der Preis eines Gutes um beispielsweise 1%, muss die Nachfrage nicht zwangsläufig um 1% fallen. Die dabei auftretenden Möglichkeiten werden mit Elastizität der Nachfrage bezeichnet.

Eine ähnliche Elastizität zeigt sich auch in der Abhängigkeit von Einkommen und Nachfrage. In der vereinfachten Form nimmt die Nachfrage bei höherem Einkommen zu, die Kurve im Diagramm ist steigend.

Das Bild zeigt die Abhängigkeit der nachgefragten Menge vom Einkommen

Während die Nachfrage angibt, welche Menge an Gütern die Verbraucher für einen bestimmten Preis erwerben möchten, gibt das Angebot an, welche Menge an Gütern die Anbieter für einen bestimmten Preis abgeben möchten. Auch für das Angebot gibt es eine idealisierte Kennlinie. Hier geht man davon aus, dass bei höherem Marktpreis die angebotene Menge größer wird. Im Gegensatz zur fallenden Preis-Nachfrage-Kennlinie ist die Preis-Angebot-Kennlinie steigend.

Das Bild zeigt die Abhängigkeit der angebotenen Menge vom Preis

Nachfrage und Angebot beeinflussen sich gegenseitig. Hat sich ein neu eingeführtes Gut auf dem Markt bewährt, wird die nachgefragte Menge zunächst ansteigen. Wenn die nachgefragte Menge höher wird als die angebotene, wird der Preis des Gutes steigen, wodurch die Nachfrage wieder sinkt.
Werden andererseits durch günstigere Rohstoffe für die gleichen Herstellungskosten mehr Güter auf dem Markt angeboten, kann ein Überangebot entstehen. Um die Güter trotzdem zu verkaufen, muss der Preis gesenkt werden.

Aus diesen gegenläufigen Trends muss der Preis ermittelt werden, der sowohl ein Optimum für die Nachfrage als auch für das Angebot bildet. Dieser Punkt, der das Marktgleichgewicht darstellt und Gleichgewichtspreis genannt wird, ergibt sich aus dem Schnittpunt der fallenden Preis-Nachfrage-Kennlinie und der steigenden Preis-Angebot-Kennlinie. Verbraucher und Anbieter haben sich in diesem Punkt mit ihren Vorstellungen über Preis und Menge getroffen, so dass es zum größtmöglichen Umsatz kommt.
Das Bild zeigt die Bildung des Gleichgewichtspreises

Textaufgaben

3. Welches ist der Unterschied zwischen individueller Nachfrage und Gesamtnachfrage?

4. Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, damit es zu einer Nachfrage kommt?

5. Ein neu auf dem Markt eingeführtes, noch in kleinen Stückzahlen gefertigtes Nutzfahrzeug beweist sich als robust, zuverlässig und praxisgerecht, was in Fachkreisen positiv beobachtet wird. Wie wird sich voraussichtlich der Preis entwickeln?



© Carl Loevernich für die Cube Wirtschaftsakademie 2008
 
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